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Wichtige Erkenntnisse
- Kostenersparnis: Die Viture One bietet für 439 $ wesentliche Funktionen der Vision Pro, kostet aber nur einen Bruchteil.
- Technische Ausrichtung: Während Apple auf einen eigenständigen räumlichen Computer setzt, fungiert die Viture One als externer Monitor im Brillenformat.
- Integrierte Sehschärfenanpassung: Ein herausragendes Merkmal ist der integrierte Dioptrienausgleich (bis -5 dpt), der oft keine separaten Linseneinsätze erfordert.
- Mobilität: Mit nur 78 Gramm und direkter Stromversorgung über das verbundene Gerät ist sie deutlich mobiler als Konkurrenzprodukte.
- Spatial Video Support: Die Brille unterstützt die Wiedergabe von räumlichen Videos, die mit dem iPhone 15 Pro aufgenommen wurden.
Die Markteinführung der Apple Vision Pro hat das Interesse an Head-Mounted Displays und XR-Technologie (Extended Reality) massiv gesteigert. Doch der Preis von über 3.500 $ stellt für die meisten Nutzer eine unüberwindbare Hürde dar. Viele Technologie-Enthusiasten stellen sich die Frage, ob es kostengünstigere Alternativen gibt, die ähnliche Erlebnisse bieten, ohne das Budget eines Kleinwagens zu verschlingen.
Wenn Sie zu jenen gehören, die vor einer Investition in die erste Generation der Apple-Brille zurückschrecken, könnte die Viture One XR-Brille eine logische Option sein. Für 439 $ verspricht sie, Medienkonsum und Gaming auf ein neues Level zu heben. Dieser Artikel analysiert detailliert, wie sich die Viture One im Vergleich schlägt, wo ihre technischen Grenzen liegen und für wen sich der Kauf tatsächlich lohnt.
Viture One XR vs. Apple Vision Pro: Ein Vergleich der Konzepte
Der wichtigste Unterschied liegt in der grundlegenden Architektur der beiden Geräte. Man muss verstehen, dass die Viture One nicht versucht, ein direkter Klon der Vision Pro zu sein.
Die Apple Vision Pro ist ein eigenständiger “räumlicher Computer”. Sie verfügt über eigene Prozessoren (M2 und R1), ein Betriebssystem (visionOS), komplexe Kamerasysteme für das Tracking der Außenwelt und hochauflösende Displays, die eine fast fotorealistische Mixed Reality ermöglichen.
Die Viture One hingegen ist im Kern ein tragbarer, externer Monitor. Sie besitzt kein eigenes Betriebssystem und keine Rechenleistung für Apps. Stattdessen spiegelt sie den Inhalt eines angeschlossenen Geräts – sei es ein iPhone, iPad, Mac oder eine Spielekonsole – direkt vor Ihre Augen.
Technische Gegenüberstellung
| Merkmal | Apple Vision Pro | Viture One |
|---|---|---|
| Gerätekategorie | Eigenständiger räumlicher Computer | Externer Monitor im Brillenformat |
| Bauform | Geschlossenes Headset (Ski-Brillen-Optik) | Offene Brille (Sonnenbrillen-Optik) |
| Auflösung | Über 4K pro Auge (Micro-OLED) | 1080p pro Auge (Micro-OLED) |
| Gewicht | 600–650 Gramm | 78 Gramm |
| Sehstärkenanpassung | Teure magnetische Einsätze nötig | Integrierte Anpassung (bis -5 dpt) |
| Batterielaufzeit | Ca. 2 Stunden (externer Akku) | Abhängig vom angeschlossenen Gerät |
| Spatial Video | Aufnahme und Wiedergabe | Nur Wiedergabe (Aufnahme via iPhone) |
| Kameras | Zahlreiche externe und interne Sensoren | Keine Kameras |
Trotz der einfacheren Bauweise deckt die Viture One vier zentrale Anwendungsbereiche ab, für die Nutzer oft eine Vision Pro in Betracht ziehen:
- Filmwiedergabe: Genuss von Medien auf einer virtuellen Großleinwand.
- Gaming: Nutzung als Display für Konsolen oder Handhelds wie das Steam Deck.
- 3D-Video: Wiedergabe von stereoskopischen Inhalten.
- Spatial Video: Betrachten von räumlichen Videos, die mit modernen Smartphones aufgenommen wurden.
Der entscheidende Vorteil der Viture One liegt in der Ergonomie. Sie ist leichter, unauffälliger und erfordert keine komplexe Einrichtung. Zudem entfällt die Sorge um die Akkulaufzeit der Brille selbst, da sie über USB-C vom Quellgerät gespeist wird – allerdings belastet dies den Akku des Smartphones oder Laptops.
Viture One XR-Brille verbunden mit einem iPhone 15 Pro Max
Design und Haptik: Unauffällig und funktional
Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Viture One kaum von einer regulären, etwas klobigeren Sonnenbrille. Das Design ist bewusst schlicht gehalten, erhältlich in mattem Schwarz oder Weiß. Für Außenstehende wirkt das Gerät wenig aufdringlich, solange man nicht direkt von oben oder von der Seite darauf blickt.
Doppellinsen-Architektur
Bei genauerer Betrachtung offenbart sich der technologische Aufbau. Die Brille nutzt ein Doppellinsen-System:
- Äußere Linsen: Diese fungieren als Verdunkelungsschicht (ähnlich einer Sonnenbrille), um einfallendes Licht zu reduzieren.
- Innere Prismen: Hier befinden sich die eigentlichen Micro-OLED-Displays, die das Bild in das Auge des Nutzers projizieren.
Ein Beobachter kann nicht sehen, was Sie gerade betrachten. Es gibt kein “EyeSight”-Feature wie bei Apple, das Ihre Augen nach außen projiziert. Der einzige Hinweis auf Technologie ist das USB-C-Kabel, das vom rechten Brillenbügel zu Ihrem Zuspielgerät führt. Diese Diskretion macht die Viture One tauglich für öffentliche Verkehrsmittel wie Flugzeuge oder Züge, ohne dass der Träger übermäßig Blicke auf sich zieht.
Einrichtung und Anpassungsmöglichkeiten
Die Inbetriebnahme der Viture One ist bemerkenswert effizient. Der Prozess von der Verpackung bis zum ersten Bild dauert in der Regel weniger als fünf Minuten.
Der integrierte Dioptrienausgleich
Ein massiver Vorteil gegenüber fast allen Konkurrenzprodukten ist die eingebaute Sehschärfenkorrektur. An der Oberseite beider Linsengehäuse befinden sich Drehregler. Diese ermöglichen eine Anpassung von 0 bis -5,0 Dioptrien für jedes Auge separat.
Für Brillenträger mit Kurzsichtigkeit in diesem Bereich bedeutet das: Brille absetzen, Viture One aufsetzen, Regler drehen bis das Bild scharf ist. Kontaktlinsen oder teure Zusatzeinsätze sind nicht notwendig. Bei stärkeren Sehschwächen oder Hornhautverkrümmung bietet der Hersteller jedoch weiterhin magnetische Einsätze an.
Anschluss und Kompatibilität
Die Verbindung erfolgt über einen magnetischen Konnektor am rechten Bügel, der sich bei starkem Zug löst, um Schäden zu vermeiden (ähnlich wie Apples MagSafe). Das andere Ende ist ein Standard-USB-C-Stecker.
- iPhone 15 / iPad / Android: Einfaches Einstecken. Das Bild wird sofort gespiegelt.
- Mac / PC: Wird als externer Monitor erkannt.
- Ältere iPhones (Lightning): Ein separater Adapter ist erforderlich, da der Lightning-Port keine native Videoausgabe in diesem Format unterstützt.
Der Ton wird über integrierte Harman-Lautsprecher ausgegeben, die in den Bügeln sitzen und den Schall direkt zum Ohr lenken.
Nahaufnahme des Designs und der Haptik der Viture One Brille
Steuerung und Bedienkonzept
Da die Viture One kein eigenes Betriebssystem besitzt, sind die Steuerelemente physisch an der Brille angebracht. Am linken Bügel befinden sich zwei primäre Elemente:
-
Multifunktionstaste:
- Einfaches Drücken: Aktiviert oder deaktiviert die elektrochrome Verdunkelung der äußeren Gläser.
- Doppelklick: Schaltet die Wippe zwischen Lautstärke- und Helligkeitsregelung um.
- Dreifachklick: “Pinnt” das Bild an einer festen Position (nur in Verbindung mit kompatibler Software/Zubehör).
- Langes Drücken: Wechselt zwischen 2D- und 3D-Modus (notwendig für SBS-3D-Inhalte).
-
Wippschalter: Regelt je nach Modus die Lautstärke oder die Bildhelligkeit.
Elektrochrome Technologie
Ein technisches Highlight ist die elektrochrome Folie in den äußeren Gläsern. Auf Knopfdruck ändert sich die Opazität (Lichtdurchlässigkeit) der Gläser. In hellen Umgebungen können Sie die Gläser fast schwarz schalten, um den Kontrast des virtuellen Bildes zu maximieren. In dunkleren Umgebungen oder wenn Sie Ihre Umgebung wahrnehmen müssen, schalten Sie die Gläser transparent. Dies eliminiert oft die Notwendigkeit für physische Abdeckkappen, obwohl eine solche für absolute Dunkelheit im Lieferumfang enthalten sein kann.
Bildqualität und Medienerlebnis
Der Hersteller wirbt mit einem virtuellen 120-Zoll-Bildschirm. Die Wahrnehmung von Bildschirmgröße in VR/XR ist subjektiv und hängt davon ab, wie weit das virtuelle Bild vom Auge entfernt scheint. In Testszenarien wirkt das Bild eher wie ein 80-Zoll-Fernseher in etwa 2 bis 3 Metern Entfernung. Dies ist immer noch eine beeindruckende Größe für ein Gerät, das in die Hosentasche passt.
Schärfe und Auflösung
Trotz der Limitierung auf 1080p (Full HD) pro Auge ist die Bildqualität sehr gut. Da die Displays extrem nah am Auge liegen und die Pixeldichte hoch ist (PPD – Pixels Per Degree), wirkt das Bild scharf. Texte sind gut lesbar, und Filme profitieren von den OLED-typischen Schwarzwerten und Farben.
Komfort beim Medienkonsum
Die Viture One glänzt besonders in Situationen, in denen Handheld-Geräte unbequem werden:
- Im Bett: Sie können flach auf dem Rücken liegen und den Film an der Decke sehen, ohne ein Tablet halten zu müssen.
- Reisen: Im Flugzeug oder Zug entfällt der “Nackenschmerz”, der durch das ständige Herabschauen auf Laptops oder Handys entsteht.
- Privatsphäre: Niemand kann sehen, was Sie schauen, was besonders bei sensiblen Inhalten oder in engen Sitzreihen von Vorteil ist.
Die Audio-Lösung ist überraschend diskret. Selbst bei moderater Lautstärke dringt kaum Schall nach außen, sodass Sitznachbarn nicht gestört werden.
Videowiedergabe und Bildqualität der Viture One Brille
Spatial Video und 3D-Inhalte
Mit der Einführung von “Spatial Video” auf dem iPhone 15 Pro hat Apple ein Format geschaffen, das bisher primär für die Vision Pro gedacht war. Die Viture One unterstützt dieses Format jedoch ebenfalls, wenn auch mit Einschränkungen.
Funktionsweise
Um räumliche Videos anzusehen, müssen Sie die SpaceWalker-App von Viture auf dem iPhone nutzen. Diese App verarbeitet das Side-by-Side (SBS) Format der Apple-Videos so, dass die Brille es korrekt als 3D-Bild darstellen kann.
Das Erlebnis ist beeindruckend: Videos erhalten eine echte Tiefenwirkung, die Erinnerungen lebendiger macht als flache 2D-Aufnahmen. Es ist eine kosteneffiziente Methode, um diese neue Art der Videografie zu nutzen, ohne Tausende von Dollar auszugeben. Dennoch bleibt die Frage offen, ob 3D-Video dauerhaft relevant bleibt oder – ähnlich wie bei 3D-Fernsehern – eine Nische bleibt.
Einschränkungen bei 360-Grad-Videos
Hier zeigt sich der deutlichste Unterschied zu echten VR-Headsets wie der Meta Quest 3 oder Vision Pro. Die Viture One verfügt über kein “Head Tracking” (Kopfbewegungserfassung) für 360-Grad-Videos.
Wenn Sie ein 360-Grad-Video ansehen, können Sie sich nicht einfach umsehen, indem Sie den Kopf drehen. Stattdessen schauen Sie auf einen festen virtuellen Bildschirm und müssen den Bildausschnitt mit dem Finger auf dem Handybildschirm verschieben. Dies bricht die Immersion erheblich und macht die Brille für VR-Erlebnisse ungeeignet.
Produktivität: Ersatz für den Monitor?
Ein häufiges Szenario für XR-Brillen ist die Erweiterung des Arbeitsplatzes. Theoretisch können Sie Ihren Mac-Bildschirm auf die Brille spiegeln und so überall privat arbeiten.
Die Realität der 1080p-Auflösung
Während dies technisch einwandfrei funktioniert, setzt die Auflösung physikalische Grenzen. Ein virtueller 1080p-Monitor bietet weniger Arbeitsfläche als die meisten modernen Laptops (die oft Retina- oder 4K-Auflösungen haben).
- Geeignet für: Schreiben, E-Mails, einfaches Surfen oder das Ansehen von Videos nebenbei.
- Ungeeignet für: Komplexe Tabellenkalkulationen, Videobearbeitung oder Multitasking mit vielen Fenstern.
Im Vergleich dazu kann die Vision Pro dank ihrer extrem hohen Auflösung tatsächlich einen 4K-Monitor ersetzen und Texte gestochen scharf darstellen. Die Viture One ist eher eine Notlösung für unterwegs oder ein Zweitmonitor für spezifische Aufgaben, aber kein vollwertiger Ersatz für ein Desktop-Setup.
Die Viture One Brille in voller Ansicht
Erstes Fazit: Für wen lohnt sich die Viture One?
Nach den ersten Testtagen positioniert sich die Viture One nicht als Konkurrent zur Vision Pro, sondern als pragmatische Lösung für spezifische Probleme. Sie konkurriert eher mit tragbaren Monitoren oder Tablets als mit High-End-Headsets.
Vorteile:
- Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis (439 $).
- Hoher Tragekomfort durch geringes Gewicht.
- Integrierte Dioptrienkorrektur spart Geld und Aufwand.
- Exzellent für passiven Medienkonsum und traditionelles Gaming.
Nachteile:
- Kein echtes AR/VR-Erlebnis (fehlendes Tracking).
- Auflösung begrenzt die Produktivität.
- Abhängigkeit vom Akku des Zuspielgeräts.
Für Nutzer, die eine private, große Leinwand für unterwegs suchen und bereits im Apple- oder Android-Ökosystem verankert sind, ist die Viture One eine klare Empfehlung. Sie stillt das Bedürfnis nach futuristischer Display-Technologie, ohne die finanzielle Belastung einer Vision Pro. Wer jedoch echte räumliche Arbeit (Spatial Computing) verrichten möchte, muss weiterhin auf die teureren Lösungen warten oder sparen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Software-Unterstützung weiterentwickelt, insbesondere im Hinblick auf die SpaceWalker-App, die das Potenzial hat, der Hardware noch mehr Funktionalität zu entlocken.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Funktioniert die Viture One auch mit einer Nintendo Switch?
Ja, die Viture One ist sehr beliebt bei Switch-Nutzern. Allerdings benötigen Sie für den mobilen Betrieb meist das “Viture Mobile Dock”, da die Switch im Handheld-Modus nicht genug Strom liefert und keinen direkten Video-Out über USB-C ohne Dock-Protokoll unterstützt.
Kann ich die Brille tragen, wenn ich stark kurzsichtig bin?
Die Brille hat eingebaute Drehregler, die eine Kurzsichtigkeit bis zu -5,0 Dioptrien ausgleichen. Wenn Ihre Werte darüber liegen oder Sie eine starke Hornhautverkrümmung haben, benötigen Sie den optionalen magnetischen Linseneinsatz, den Sie beim Optiker verglasen lassen können.
Wie lange hält der Akku?
Die Viture One hat keinen eigenen Akku. Sie zieht Strom direkt aus dem angeschlossenen Gerät (z.B. iPhone 15). Der Stromverbrauch variiert, aber Sie sollten damit rechnen, dass sich die Laufzeit Ihres Telefons bei intensiver Videowiedergabe um etwa 30–40 % schneller verkürzt als bei normaler Nutzung.
Ist die Viture One kabellos nutzbar?
Nein, standardmäßig ist sie kabelgebunden. Es gibt Zubehör wie das “Neckband”, das Android TV integriert hat und die Brille antreibt, aber auch hier besteht eine Kabelverbindung zwischen Brille und Nackenbügel.
Sehen andere Leute, was ich anschaue?
Nein. Die Technologie ist so konzipiert, dass das Licht direkt in Ihre Augen projiziert wird. Selbst in ruhigen Umgebungen ist zudem der Ton durch die gerichteten Lautsprecher für Außenstehende kaum hörbar.
